Saubereres Wasser: eco center testet eine neue Behandlung
In der Kläranlage Tramin hat eco center eine Versuchsreihe gestartet, um die Qualität der gereinigten Abwässer noch weiter zu verbessern. Installiert wurde eine Pilotanlage, um das so genannte “vierte Abwasserreinigungsstadium“, eine zusätzliche Phase zur Beseitigung der Mikroschadstoffe, zu untersuchen.
Die neuen europäischen Vorschriften über die Behandlung der kommunalen Abwässer verlangen von den größeren Kläranlagen, binnen 2045 auch die so genannten Mikroschadstoffe in erheblicher Weise zu reduzieren, die derzeit den herkömmlichen Abwasserreinigungsbehandlungen entwischen. Im Südtirol haben die Vorschriften ein paar Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität des Großen Kalterer Grabens vorgesehen, der durch eine begrenzte und von der Landwirtschaft beeinflusste Durchflussmenge gekennzeichnet ist. Unter diesen Maßnahmen ist die Anwendung eines vierten Reinigungsstadiums vorgesehen, um die Auswirkungen des Abflusses der Kläranlage Tramin auf den Graben noch weiter zu verringern.
Um diesen neuen Vorschriften zu entsprechen, hat eco center Anfang Oktober 2025 in der Kläranlage Tramin eine Pilotanlage installiert, um das so genannte „vierte Reinigungsstadium“ zu testen. Ziel des Experimentes ist es, die erforderlichen Daten zu sammeln, um es zu ermöglichen, die Ausmaße einer realen Anlage richtig zu bestimmen und Erfahrungen über den Wirkungsgrad dieser Behandlungsphase zu sammeln, einer Behandlungsphase, welche eco center in den wichtigsten von ihm geführten Kläranlagen einführen müssen wird.
Mikroschadstoffe sind Substanzen, die in der Umwelt in sehr niedrigen Konzentrationen vorhanden sind, aber lange dort verbleiben können, da sie sich sehr langsam abbauen und sich auch in erheblicher Entfernung von den Örtlichkeiten befinden können, an denen sie freigesetzt werden. Sie umfassen viele Arten von Schadstoffen. Bei der Versuchsreihe von Tramin wurden drei Hauptgruppen von Mikroschadstoffen in Betracht gezogen: Pharmaka, per- und polyfluoroalchylische Substanzen (PFAS) und Pestizide.
Die Pilotanlage
Die Pilotanlage kombiniert in Reihenschaltung zwei fortgeschrittene Technologien für die Beseitigung von Mikroschadstoffen: die chemische Oxydation mit Ozon und die Adsorption durch Aktivkohle.
Eine Pumpe entnimmt eine kleine Menge des geklärten Abwassers kurz vor dem Abfluss in den Großen Kalterer Graben und leitet es zur Pilotanlage.
Der Behandlungsprozess wickelt sich in drei Phasen ab. Das Abwasser dringt durch einen Filter, der die noch vorhandenen Feststoffpartikeln beseitigt. Anschließend fließt das Wasser in die Ozonbehälter, wo der Prozess der chemischen Oxydation dazu beiträgt, zahlreiche Schadstoffe abzubauen. Schließlich läuft das Abwasser durch Aktivkohlefilter, welche die noch vorhandenen Stoffe dank des Adsorptionsprozesses zurückhalten. Am Ende der Behandlung wird das Wasser wieder in den Abfluss der Kläranlage geleitet.
Erste Ergebnisse
Die bisher durchgeführten Analysen zeigen, dass die Pilotanlage in der Lage ist, die untersuchten Mikroschadstoffe wirksam zu beseitigen und dadurch die Qualität des behandelten Wassers merklich zu verbessern und die durch die Normen vorgeschriebenen Anforderungen zu erfüllen.
Gereinigte Abwässer mit diesen Merkmalen könnten den europäischen Vorschriften über die Wiederverwendung des Wassers entsprechen und eine nachhaltigere Handhabung der Wasserressourcen fördern.
Ein anderer Pluspunkt ist die operative Flexibilität der Anlage: die beiden Behandlungen können nämlich zusammen oder abwechselnd verwendet werden, unter Anpassung an die verschiedenen Behandlungserfordernisse und an die Merkmale des zu behandelnden Abwassers.
Man muss freilich bedenken, dass die erzielten Ergebnisse aus einer Pilotanlage stammen und somit bei Anlagen mit realen Ausmaßen bestätigt werden müssen. Mit Sorgfalt abzuwägen sind die Führungskosten, die mit dem Verlauf der Energiepreise und der Preise der bei der Behandlung verwendeten Materialien zusammenhängen. Zu berücksichtigen sind auch die hohen Energieverbräuche dieser Prozesse, ein Aspekt, der mit den Zielen der Energieeffizienz und Klimaneutralität, die von den neuen europäischen Vorschriften gefördert werden, in Konflikt geraten könnte.